Der Erfolg der QR-Codes in Japan: Warum das Land zum globalen Vorbild der digitalen Transformation wurde

Japan gilt weltweit als das Land, in dem die QR-Codes entstanden sind – eine Technologie, die heute in allen Bereichen eingesetzt wird: von mobilen Zahlungen über Logistik und Tourismus bis hin zum öffentlichen Verkehr. Doch das wirklich Beeindruckende ist nicht nur die Erfindung selbst, sondern die Art und Weise, wie Japan QR-Codes zu einem festen Bestandteil seiner modernen Infrastruktur gemacht hat.

Wie die QR-Codes in Japan entstanden

Die Geschichte der QR-Codes begann bereits in den 1960er-Jahren, als der japanische Einzelhandel schnellere Lösungen für die Abwicklung von Waren benötigte. Das Unternehmen DENSO WAVE, ein Teil der DENSO Corporation, entwickelte daraufhin einen zweidimensionalen Barcode, der deutlich mehr Informationen speichern konnte – auch japanische Schriftzeichen.

1994 erhielt die Technologie ihren heutigen Namen: QR (Quick Response). Der Name unterstrich das größte Merkmal der Codes: Sie konnten wesentlich schneller gescannt werden als herkömmliche Barcodes.

Ab 2002 verbreiteten sich QR-Codes in Japan rasant, als Mobiltelefone mit integrierten Scannern auf den Markt kamen. Kostenlose QR-Code-Generatoren öffneten später den Zugang zur Technologie für alle.

Während der COVID-19-Pandemie entdeckte die restliche Welt die Vorteile kontaktloser Lösungen – zu einem Zeitpunkt, als Japan bereits über 15 Jahre lang QR-Codes in nahezu allen Lebensbereichen nutzte.

QR-Codes als Bestandteil des alltäglichen Lebens in Japan

Heute sind QR-Codes in Japan allgegenwärtig. Sie werden genutzt von:

  • staatlichen Behörden

  • großen Unternehmen und kleinen Betrieben

  • dem Verkehrs- und Tourismussektor

  • Einzelhandel und Gastronomie

  • Logistik, Banken und digitalen Services

Die Zahlen sprechen für sich:

  • 9,36 Milliarden QR-Zahlungstransaktionen im Jahr 2023

  • Zunahme der aktiven Nutzer von QR-Zahlungen von 23,1 Mio. (2020) auf 82,7 Mio. (2024) (Statista)

Japan gehört damit weltweit zu den führenden Nationen in QR-Technologien.

Die besten Beispiele für den Einsatz von QR-Codes in Japan

1. QR-Codes für die Einreise: das System „Visit Japan“

Die japanische Einwanderungsbehörde betreibt die Plattform Visit Japan, mit der Reisende:

  • Formulare im Voraus ausfüllen,

  • sich vorab registrieren

  • und einen persönlichen QR-Code erhalten können.

Der Code ermöglicht:

  • schnellere Passkontrolle

  • digitale Zollanmeldung am Terminal

  • Zugang zu Tax-Free-Diensten

Dies reduziert Wartezeiten und sorgt für effizientere Abläufe an Flughäfen.

2. Rakuten: QR-Codes im Handel, bei Zahlungen und im Mobilfunk

Rakuten Inc. nutzt QR-Codes in einer Vielzahl von Diensten:

  • Click-and-Collect: Abholung der Online-Bestellung per QR-Code

  • eSIM-Aktivierung: Nutzer scannen den erhaltenen QR-Code

  • Empfehlungsprogramme: QR-Codes zur Einladung von Freunden

  • Zahlungen über Rakuten Pay: der Kunde scannt den Code des Geschäfts und bezahlt flexibel

Händler können eigene QR-Codes erstellen, um ihre Sichtbarkeit auf Rakuten Ichiba zu erhöhen.

3. FamilyMart und die mobile Wallet „FamiPay“

In der Convenience-Store-Kette FamilyMart dienen QR-Codes zur:

  • Zahlung von Einkäufen

  • Aufladung des Wallets

  • Begleichung von Rechnungen

Einfach scannen, bestätigen, fertig.

4. PayPay: nationale Popularität dank QR-Codes

Der Zahlungsdienst PayPay von SoftBank und Yahoo! Japan revolutionierte den Markt:

  • 15 Mio. neue Nutzer in weniger als einem Jahr

  • massenhafte Einführung kontaktloser Zahlungen bei kleinen Geschäften

  • schnelle Verbreitung der QR-Technologie in der Bevölkerung

PayPay unterstützt auch internationale QR-Zahlungen mit automatischer Währungsumrechnung.

5. LINE Pay – eines der ersten QR-Zahlungssysteme Japans

Seit 2014 ermöglicht LINE Pay:

  • Einkäufe im Geschäft

  • Online-Zahlungen

  • gemeinsames Aufteilen von Rechnungen

Alles über QR-Codes – ohne zusätzliche Hardware.

6. QR-Tickets für Fahrten mit dem Shinkansen

Mit dem QR-Ticketing-System können Reisende:

  • digitale Tickets kaufen

  • den QR-Code im Apple Wallet speichern

  • die Sperren beim Ein- und Aussteigen scannen

Das beschleunigt den Zugang und reduziert Staus, besonders zu Stoßzeiten.

7. Internationale QR-Zahlungen mit ASEAN-Staaten

Bis 2025 führt Japan gemeinsam mit ASEAN-Ländern ein grenzüberschreitendes QR-Zahlungssystem ein, das:

  • Zahlungen im Ausland mit der heimischen App ermöglicht

  • Wechselkurshürden beseitigt

  • Transaktionen für Touristen und Unternehmen erleichtert

Ein großer Schritt hin zu einem globalen Finanzstandard.

8. „QR Bar“ – die Bar der Zukunft

In Roppongi, Tokio, befindet sich die Glance Dance Bar, in der:

  • Bestellung und Bezahlung ausschließlich per QR-Code erfolgen

  • Gäste digital bezahlen und den Drink an der Theke abholen

Ohne Wartezeit, ohne Bargeld.

9. Primo – Geschäfte ohne Kassenpersonal

Das Startup Primo betreibt vollautomatisierte Läden, in denen Kunden:

  1. Produkte auswählen

  2. QR-Code scannen

  3. in der App bezahlen

Ein Modell, das die Zukunft des japanischen Einzelhandels prägen könnte.

Von Postern in der U-Bahn zur digitalen Infrastruktur

Schon lange bevor der Rest der Welt QR-Codes entdeckte, setzte Japan sie überall ein. Bereits 2009 waren sie zu sehen auf:

  • Disney-Postern in U-Bahnstationen

  • McDonald’s-Bechern und Verpackungen

  • Werbeflächen in Einkaufszentren

  • Kleidungsetiketten und Zeitschriften

Heute sind QR-Codes ein unverzichtbarer Bestandteil der japanischen Gesellschaft – sowohl im Alltag als auch in landesweiten Finanz- und Serviceprozessen..